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Die „Langsam-Geher“

Was glaubt ihr, welches Tier kann in 3.000 Metern Meerestiefe ebenso überleben wie in 6.000 Metern Gebirgshöhe ? Neben kochend heißen Quellen oder unter dem Gletschereis? Und – was viele gar nicht glauben werden, ganz einfach in eurem Garten oder im Moos auf dem Hausdach? Einige unter euch werden nun sagen, ein solches Tier gibt es nicht, sonst hättet ihr es schon mal gesehen oder zumindest gehört davon. Aber denkt mal nach, nicht alles, was das menschliche Auge nicht auf Anhieb sieht, darf deshalb nicht da sein. Was ist, wenn dieses Lebewesen nur halb so groß wie ein Millimeter ist? Nehmt mal ein Lineal aus euerer Schultasche und betrachtet 0,5 mm. Das ist wahrlich winzig. Nichts desto trotz leben diese ganz kleinen Tiere mitten unter uns.

Entdeckt hatte sie 1773 der Pastor Johann August Ephraim Goeze aus Quedlinburg. Der Gottesmann war bei Untersuchungen mit seinem Mikroskop, als er die Lebewesen erstmals erblickte. Sein Erstaunen war groß. Acht Beine bekam er zu sehen, wobei vier immer so eng am Körper des Tierchens versteckt sind, daß man sie kaum wahrnimmt. Alles in allem erinnerte Pastor Goeze das Ganze an einen mikroskopisch geschrumpften Bären, weshalb er auf den Namen „Bärtierchen“ kam. Dabei mußte der fromme Geistliche über viel Phantasie verfügt haben, denn hat von euch schon mal jemand einen Bären mit acht Beinen gesehen???

Im Laufe der Zeit interessierten sich auch einige Naturwissenschafter für das gar komische Bärtierchen. Sie stellten fest, daß es weder mit Insekten, noch Spinnen oder anderen Kleinlebewesen verwandt wäre. Ein eigener biologischer Stamm wurde für die Winzlinge geschaffen. Dabei erhielten sie auch den Namen Tardigrada, was soviel wie „Langsam-Geher“ bedeutet. Ja, Hektik scheint es bei den bisher bekannten 750 Arten des Bärtierchens nicht zu geben. Sie führen ein ruhiges Leben in Wassertropfen oder Moosbänken, egal, ob es neben ihnen kocht oder gefriert.

Was brauche ich, um Bärtierchen zu sehen?

Zuerst besorgt euch mal ein gutes Mikroskop (mindestens 20fache Vergrößerung) samt dazugehörender Petrischalen (das sind jene durchsichtigen, kleinen, runden Gefäße, die ihr vom Biologieunterricht kennt) und einer Tropfpipette bzw. einen Objektträger (flache Glasplättchen). Habt ihr diese Grundausrüstung, ohne die es nicht geht, macht euch auf die Suche.

Wo kann ich Bärtierchen finden?

Am leichtesten habt ihr es wohl, wenn ihr in einer Gegend wohnt, wo es viel regnet. Dann werden auf gekalkten Mauern oder Dachziegeln Moospolster wachsen. Darin leben die Tardigrada. Aber auch im Moos im Wald oder in Tümpeln und Mooren. Seid bitte vorsichtig, daß ihr weder von der Leiter, noch ins Moor fallt!

Wie untersuche ich Bärtierchen?

Das Wichtigste zuerst: seid wie mit allen Lebewesen auch mit Bärtierchen behutsam. Quält sie nicht mit Chemikalien oder spitzen Gegenständen. Oder würdet ihr es okay finden, wenn ein Riese euch mit Felsbrocken bewirft? – Wohl kaum! Beginnt eure Untersuchung damit, daß ihr das Stückchen Moos auf die Petrischale legt, und zwar mit dem grünen Ende nach unten. Dann gießt vorsichtig ein wenig Wasser darauf, bis sich das Moos vollgesogen hat. Habt einige Stunden Geduld und wartet. Danach legt das Moos zur Seite und betrachtet mit dem Mikroskop die Flüssigkeit in der Petrischale. Mit ein bisschen Übung werdet ihr die „Langsam-Geher“ bald ausfindig machen. Oft klammern sich die Bärtierchen an kleine Erd- oder Moosstückchen. Ihr könnt sie mit der Tropfpipette vorsichtig auf den Objektträger legen, um sie unterm Mikroskop genauer zu betrachten. Legt aber niemals einen zweiten Objektträger darüber, da ihr die Winzlinge sonst zerquetscht. Bärtierchen der Art Macrobiotus sp. sind weiß, während ihre Echiniscus-Verwandten eine rötliche Färbung aufweisen.

Was mache ich mit dem untersuchten Tierchen?

Bitte spült die „Langsam-Geher“ nicht das Waschbecken oder die Toilette hinunter, sondern setzt sie auf ihren Moosballen zurück. Entweder ihr bringt die Tierchen in die Natur zurück, am besten dorthin, wo ihr sie genommen habt, oder ihr laßt den Moosballen samt dem Bärtierchen eintrocknen und verwahrt ihn sorgsam. Die Trockenheit kann das kleine Lebewesen oft über Jahre überstehen. Warum? Lest bitte weiter.

Was ist Anabiosis?

Anabiosis ist die Fähigkeit eines Lebewesens, seinen Stoffwechsel so herunterzuschrauben, daß alle körperlichen Funktionen fast Null sind. Die Tiere verharren regungslos, daß sie wie tot erscheinen. Aber gerade das Gegenteil ist die Wirkung der Anabiosis. Dadurch, daß der Körper weniger Ansprüche stellt (Nahrung, Energie, Bewegung), kann er unangenehme Situationen wie zum Beispiel starke Trockenheit über Jahre hin überleben. Das Bärtierchen geht in einen Zustand über, den man „Tönnchen“ nennt. Seine Körperflüssigkeit beträgt dabei nur 2%. Bringt man es nach Jahren wieder mit Wasser in Berührung, erwacht es innerhalb kürzester Zeit zu „neuem Leben“ und nimmt seine ursprüngliche Form wieder an. Ein wahres Wunder der Natur.

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