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“Es ist dunkel. Und es regnet. Genaugenommen regnet es schon fast fünf Monate lang nahezu ständig.

Aber seit 28 Stunden schüttet es, als ob der Himmel alle Pforten geöffnet hätte.

Die Frau steht im Dunkeln zwischen lauter Gehegen mit Hunden. Unruhig springen die Tiere auf die Dächer ihrer Hütten, um keine nassen Pfoten zu bekommen. Die Frau beobachtet besorgt den Fluss, der hinter der Mauer am Ende der Gehege entlang fließt.

Im Sommer ist das Rinnsal kaum vorhanden, nun steigt das Wasser schnell – viel zu schnell. Es reicht ihr schon bis an die Knöchel. Angst steigt in ihr hoch. Da klingelt mitten in der Nacht das Telefon – ein Anruf vom Katastrophenschutz, der für das Monitoring des Flusses zuständig ist. “Es kommt eine Flutwelle auf euch zu – seht zu, dass ihr die Hunde rettet! ”

Diese Szene könnte aus einem Buch stammen oder einem Film. Heute Nacht ist sie für das Tierheim Canalba in Italien zur schrecklichen Wirklichkeit geworden. Ein aus den Abruzzen kommendes keines Flüsschen, das sich an der Rückseite des Hundeheims entlang schlängelt, ist binnen weniger Stunden zu einem reißenden Ungeheuer angeschwollen und hat alles in den Tod gerissen, was sich ihm entgegen stellte.

Die Flutwelle kam so plötzlich, dass kaum Zeit zum Reagieren blieb. Schon am Nachmittag hatten die Frauen des Tierheims beschlossen, dass die ganze Nacht über eine Wache bei den Hunden bleiben und die Lage beobachten sollte. Es ist nicht das erste Mal, dass der Fluss gefährlich wurde. Trotzdem kam das Anschwellen des Wassers diesmal so überraschend schnell, dass trotz des warnenden Anrufs vom Katastrophenschutz kaum Zeit blieb, die anderen Helfer des Tierheims aus dem Bett zu klingeln und zur Hilfe zu holen.

Der Fluss stieg binnen kürzester Zeit so hoch wie noch nie. Teilweise bis zu den Hüften wateten die Frauen im Dunkeln verzweifelt durch die reißende Strömung, um die Hunde aus den Gehegen zu befreien und zu retten, was sie greifen konnten. Immer in Gefahr, von den umhertreibenden Trümmern der Hundehütten und Zäune verletzt zu werden. Immer in Gefahr, selbst vom Sog erfasst zu werden.

Auf dem Höhepunkt der Flutwelle wurde die gesamte Mauer, die das Tierheimgelände entlang des Flusslaufs schützt, von den Wassermassen mitgerissen. Und mit der Mauer die daran befestigten Gehegezäune, die Hundehütten – und die Hunde.

Die gesunden Tiere versuchten, sich auf die Hütten zu flüchten oder wegzuschwimmen. Aber auch das half ihnen wenig. Die Strömung ließ die leichten Holz- und Plastikhäuser auftreiben und viele der Tiere wurden zwischen den Trümmern und Zaunteilen eingeklemmt und konnten sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Die meisten der alten und ganz jungen Tiere aus dem unteren Teil des Caniles hatten keine Chance – das Wasser war zu schnell, die Strömung zu stark.

Im höher gelegenen Teil des Caniles spielten sich andere Dramen ab. Hunde die vor Panik vor den Wassermassen von einem Hüttendach auf das nächste sprangen und sich nicht mehr einfangen ließen, Senioren, die sich weigerten ihre Stammplätze zu verlassen und bis zum Kopf im Wasser stehend dort störrisch ausharrten, panikerfülltes Bellen derjenigen, die von Wassermassen eingeschlossen nicht mehr wussten, wohin … Und dazwischen die Pfleger, die verzweifelt versuchen, zu retten, was in der Dunkelheit noch möglich war.

Der Morgen danach

Mittlerweile ist es wieder hell und das Ausmaß der Katastrophe wird deutlich sichtbar. Die Flutwelle ist weitgehend abgeflossen, darunter hervor kommt die grausame Realität. Der tiefer gelegene Teil des Tierheims an der Flussseite ist komplett zerstört. Eine ganze Gehegereihe ist in den Fluten verschwunden, die anderen Zwingerwände wurden von den Wassermassen eingedrückt, Zäune zerrissen, Eisenpfähle wie Streichhölzer zerknickt, Türen aus den Angeln gerissen. Was bis gestern ein gut funktionierender Tierheimbetrieb war, ist heute ein Trümmerhaufen aus Metallfetzen, Holzstücken und Schlamm.

Aber viel schlimmer als die materielle Zerstörung sind die Hundeleichen, die aus den abfließenden Wassermassen auftauchen. Unter Paletten eingeklemmt, in den Drahtgeflechten hängen geblieben, in ihren Hütten ertrunken. Welpen, Kranke, Kleine und Alte, aber auch Gesunde und Starke, die nicht rechtzeitig befreit werden konnten …

Wie viele Tote es tatsächlich sind, ist noch nicht ganz klar. Über 50, das ist sicher, die genaue Zahl fehlt aber noch. Alte Freunde, die wir lange Jahre begleitet haben sind darunter wie Joschi, Oz, Ira und Inka.

Die Kleinsten und Schwächsten der Überlebenden haben eine vorübergehende Unterkunft im Büro gefunden, aus dem das Wasser mittlerweile wieder abgeflossen ist. 40 Hunde drängeln sich hier auf 15 m², bis sie eine neue Bleibe gefunden haben. Andere sind in der Futterküche untergekrochen. Viele von den Großen wurden auf dem Sportplatz neben dem Canile untergebracht und laufen dort frei innerhalb der sicheren Mauern. Wo diese Hunde in den nächsten Tagen unterkommen sollen, ist noch nicht klar. Im Moment sind sie noch zu verstört, um sich gegenseitig anzugreifen. Die Panik steht ihnen nach wie vor ins Gesicht geschrieben.

Und auch wovon sie in nächster Zeit ernährt werden sollen, weiß noch niemand. Das gesamte Futter ist von den Schlamm- und Wassermassen verdorben und in Teilen weggeschwemmt. Das Magazin, bis gestern gefüllt mit Hundekörben, Decken, Utensilien und Spenden jeder Art, ist komplett verwüstet und unbrauchbar. Die Futterküche ist außer Betrieb, Strom ist ausgefallen. Lediglich die Wasserversorgung steht noch. Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Die Gesichter der Pfleger und Helfer sind von Verzweiflung gezeichnet. Über dem ganzen Gelände liegt trotz aller Hektik eine unheimliche Stille.

Weitere Infos und Bilder

Quelle : Tierschutznews.ch

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