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Richter legt Mega-Kraftwerk in Brasilien auf Eis

In Brasiliens Amazonas-Gebiet soll eigentlich das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt entstehen. Doch nun hat ein Richter die Arbeiten am Belo-Monte-Projekt vorerst gestoppt – weil Umweltauflagen nicht beachtet wurden.

São Paulo – Seit Jahrzehnten wurde das Projekt immer wieder einmal von brasilianischen Regierungen in Angriff genommen: Am Xingu-Fluss, einem Seitenarm des Amazonas, soll ein Wasserkraftwerk der Superlative entstehen – um der energiehungrigen Wirtschaft des Landes zu helfen. Indios, Kirche, Menschenrechtler und Umweltschützer laufen Sturm gegen das Projekt. Nun haben sie einen entscheidenden Etappensieg erzielt.
Die Kritiker befürchten unkalkulierbare Auswirkungen auf die Umwelt. Sie sehen außerdem die Lebensgrundlagen der Indios massiv bedroht. Insgesamt sollen für die Staubecken mehr als 500 Quadratkilometer Fläche geflutet werden. Doch die Arbeiten für das gigantische Wasserkraftwerk, es wäre das drittgrößte der Welt, sind nun vorerst gestoppt. Ein Richter in Belém (Bundesstaat Pará) setzte mit sofortiger Wirkung die Teilgenehmigung der Umweltschutzbehörde für den Bau außer Kraft.

In der Begründung heißt es, Umweltauflagen seien nicht erfüllt worden. Auch die Finanzierung des umgerechnet etwa 8,5 Milliarden Euro teuren Projektes durch Brasiliens staatliche Entwicklungsbank BNDES wurde zunächst auf Eis gelegt. Die Umweltschutzbehörde (Ibama) hatte erst im Januar grünes Licht für vorbereitende Arbeiten und die Rodung von 240 Hektar Wald gegeben.

Schlappe für Präsidentin Rousseff

Die Entscheidung von Richter Ronaldo Desterro gilt so lange, bis Einsprüche gegen das Projekt gerichtlich entschieden oder die Umweltauflagen erfüllt sind. Mit dem Beschluss vom Freitag kam das Gericht einem Antrag der Staatsanwaltschaft nach. Sie hatte bemängelt, dass vor der Ibama-Genehmigung 29 erteilte Auflagen nicht erfüllt worden seien.
Die Entscheidung ist eine Schlappe für die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff. Sie hatte sich wie ihr Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva massiv für den Bau des Kraftwerkes am Xingu einsetzt. Die Regierung in Brasília hält das Wasserkraftwerk rund 40 Kilometer von der Stadt Altamira entfernt zur Sicherung der Energieversorgung für die achtgrößte Volkswirtschaft Brasilien für notwendig.

Das Kraftwerk sollte in der ersten Phase 2015 in Betrieb gehen. Für Bau und Betrieb ist das Konsortium Norte Energía SA verantwortlich. Die Anlage wäre mit einer Leistungskapazität von mehr als 11.000 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem binationalen Itaipú-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay.

Nach Angaben der künftigen Betreiber müssten mindestens 17.000 Menschen für das Riesen-Projekt umgesiedelt werden. Die Gegner des Bauvorhabens halten diese Zahl noch für viel zu niedrig. Sie rechnen damit, dass Belo Monte mindestens 20.000, möglicherweise sogar 50.000 Menschen vertreiben würde. Zu den Kritikern des Projektes gehören unter anderen der US-Regisseur James Cameron (“Avatar”), der britische Popsänger Sting und der brasilianische Bischof Erwin Kräutler, der 2010 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Quelle

© 2011, Sabine. All rights reserved.

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