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England: Parlament streitet wegen Fuchsjagd

  „The Independent“ (European Edition), 19.3.2002; Seite 1

Heftiges politisches Gerangel im Vorfeld zur Abstimmung über ein Verbot der berittenen Fuchsjagd für England und Wales. Nachdem ein Sprecher von Premierminister Tony Blair bekanntgegeben hatte, der Premier würde unter Rücksichtnahme auf das (jagdfreundliche) Oberhaus des Parlaments (House of Lords) einen Kompromiß („middle way“) in Sachen Fuchsjagd begrüßen, kam es zu Unmut in Blairs eigener Labour Party.

Gerald Kaufman, ehemaliger Umweltminister in Richtung seines Premiers: „Wenn jemand, der so loyal wie ich ist, zum Rebellen wird, dann wird er zum Rebellen mit Inbrunst“ Kaufman kündigte an, wenn die Regierung nicht bereit wäre, dem Willen der überwältigenden Mehrheit des Unterhauses (House of Commons) Folge zu leisten und für ein Verbot der Fuchsjagd zu votieren, werde auch er in Hinkunft nicht bereit sein, gegen das House of Lords zu stimmen, wenn dieses wieder mal Gesetzespläne der Regierung durch Zusätze zu entschärfen trachtet.
Gordon Prentice, vom linken Flügel der Labour Party: „People want straightforwardness and honesty“, „Die Menschen wollen Geradlinigkeit und Ehrlichkeit“. Der middle way, also eine Beibehaltung der berittenen Fuchsjagd, aber mit strengen Regulierungen, wird von der Mehrheit der Unterhausabgeordneten abgelehnt. Tony Banks, Labour-Abgeordneter und überzeugter Jagdgegner: „Am Ende des Tages wird es einen Sieger und einen Verlierer geben.“ Und in Hinblick auf seinen schwankenden Premier: „Die Sache ist nur, wenn wir verlieren, werden wir nicht weggehen.“ Stimmt Blair einem Kompromiß in Sachen Fuchsjagd zu, riskiert er einen Konflikt mit der eigenen Parteibasis. 
  „The Times“, 19.März 2002; Seite 14

Eine Reihe von Parlamentsabgeordneten warnte die Regierung Blair, daß sie einen Kompromiß mit dem House of Lords nicht akzeptieren würden. Denn es sei der klare Wille des House of Commons, die Fuchsjagd mit Hunden geradewegs zu verbieten. Für den Labour-Abgeordneten Ronnie Campbell wäre ein middle way, also Kompromiß, ein nicht gangbarer Tauschhandel. Er stellte fest, daß das Unterhaus vom Volk durch Wahl legitimiert worden sei, während dies das Oberhaus nicht wäre.

Alun Michael, Minister für Ländliche Angelegenheiten, sagte, daß die Regierung einen neutralen Standpunkt einnehme, aber danach trachte, die Angelegenheit im Sinne des Labour Manifests schnell zu erledigen.

Gerald Kaufman, Mitglied der Labour Commons, warnte: „Jeglicher Kompromiß würde bedeuten, daß das Ober- und nicht das Unterhaus sich durchgesetzt hätte.“

Auch der Liberale Unterhausabgeordnete Norman Baker bezog gegen die Fuchsjagd Position, denn „Die Freiheit der Jagd bedeutet, Freiheit, Tieren Schmerz und Streß zuzufügen.“, und eine solche „Freiheit“ lehne er ab. Baker schränkte aber unter Druck seiner Parteikollegen ein, daß die Liberalen jedem Abgeordneten ihrer Fraktion die Abstimmungsentscheidung frei ließen, sie wäre eine „Gewissensfrage“.

Trotzig für die Jagd warf sich die konservative Abgeordnete Ann Winterton aus South Staffordshire ins Zeug. Sie fordert die Beibehaltung der Jagd unter Selbstregulierung. Empfände sie die Jagd grausam, würde sie nicht selbst daran teilnehmen, lautete ihr Argument. Außerdem stünde bei der Abstimmung über die Fuchsjagd die „zentrale Frage von Bürgerrechten und persönlicher Freiheit“ auf dem Spiel.

Tatsächlich versuchen Jagdbefürworter mehr und mehr über die Schiene „persönliche Freiheit“ Druck zu machen.
Charles Mann gründete die E-Mail- und Telefonplattform Grassroots, die sich dagegen ausspricht, daß durch immer mehr Verbote die „Freiheit des einzelnen im Erodieren begriffen ist“. Die Jagdlobbyisten der Countryside Alliance unter Lord Mancroft planen indes einen Marsch von 500.000 Personen durch London, „um für die Rechte einer Minderheit in einer toleranten Gesellschaft“ zu protestieren. 
Hinter den Kulissen sollen Regierung und Jagdlobby versucht haben, zu einem Kompromiß zu kommen. Blairs Idee, die Fuchsjagd unter stringenten Auflage weiterhin zu erlauben, fand Echo bei den Jäger- und Schießsportverbänden, die dafür im Gegenzug Einschränkungen bei Hasenhetze (hare-coursing) und Hirschjagd (stag-hunting) in Aussicht stellten.

Dazu der „Times“-Kolumnist Ben MacIntyre: „Der Streit um die Jagd auf Füchse mit Hunden ist ebenso einer über Jobs, Gesellschaftsschichten, über Erziehung, Mythen und Traditionen. Er zeigt den kulturellen Graben („cultural divide“) zwischen den beiden Häusern des Parlaments“.

„The Guardian“, 19.März 2002; Seiten 1, 2

Nachdem die konservative Abgeordnete Ann Winterton trotzig meinte, sie verstehe die Aufregung um die Fuchsjagd nicht, denn schließlich wären „Füchse selbst auch Jäger“, und Tory-Parteifreunde ihr Bedenken ausdrückten, ein Verbot der Fuchsjagd koste Jobs, ergriff die Labour-Sprecherin Ann Widdecombe das Wort: “Zum Argument, daß ein Verbot (der Fuchsjagd) Arbeitsplätze koste: demnach könnte man auch argumentieren, daß ein Abschaffen der Verbrechen die Polizei arbeitslos, oder ein Abschaffen der Krankheiten Ärzte joblos mache.“ Und abschließend: „Ja, Füchse sind selbst Jäger. Aber übernehmen Parlamentsabgeordnete ihre (sittlichen) Standards aus dem Tierreich?“

Anm. CANIS: Recht hat sie, die streitbare Labour-Lady!

© 2011, Marion. All rights reserved.

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